Barbier poliert

Einfach nur mal gelauscht, während ich beim Barber saß:

Ich sitz beim Barber, Spiegel glänzt wie frisch poliert,
links von mir ein Typ mit Haarspray-Aura, ungeniert.  
„Wie geht’s dir, Bruder?“ fragt der Barbier, routiniert,  
„Ich hab’ viel zu tun“ – die Antwort, wie programmiert.  

Der Typ schaut’s Handy an wie’n VIP,  
spricht von Stress, als wär’s ein Exklusiv-Abo, cheap.  
Der Barber schneidet, schweigt und nickt,  
bis einer fragt, wer hier eigentlich wen bespiegelt, geschickt.  

Wir sagen: „Alles gut“, doch keiner meint’s,  
wir tragen Stress wie’n Accessoire, vereint.  
Viel zu tun, doch innerlich leer,  
unsre Floskeln glänzen – doch fühlen nix mehr.  

Er macht gleich Schluss, ’ne Stunde Schreibkram noch,  
der Barber bleibt, bis Abendlicht zerbricht am Koch.  
Ein Doppelleben zwischen Pflicht und Schein,  
wer sich am laut’sten klagt, hat meist am meisten Zeit.  

Der Barber lacht, die Klinge singt ihr Lied,  
vom echten Leben, das man selten sieht.  
Und ich denk mir leise: Ist das hier normal,  
wenn Smalltalk tiefer bohrt als jedes Ritual?  

Wir sind müde, aber posten: „Keep the grind.“  
Suchen Tiefe, doch verliern uns im Schein.  
Und wenn uns einer wirklich fragt, wie’s geht,  
drehn wir den Spiegel und sagen: „Schon okay.“

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